Bei einer Unverträglichkeit wird der Milchzucker nicht oder nur unzureichend gespalten, da es am

zuständigen Enzym Laktase mangelt. 

Daher gelangt der Milchzucker unverdaut in den Dickdarm. Dort wird er von Bakterien zu Milchsäure

und Essigsäure sowie Darmgasen (Wasserstoff, Kohlendioxid) abgebaut – dies verursacht Beschwerden.

 

Eine sogenannte primäre Laktoseintoleranz kann erblich bedingt sein und bereits von Geburt an bestehen oder sich

allmählich ausbilden. Sie beginnt ab dem allerersten Kontakt mit Laktose, in der Regel im Säuglingsalter beim Stillen,

da Muttermilch auch Laktose enthält.

 

In Europa sind etwa 15 Prozent der Bevölkerung Milchzuckerintolerant, im afroasiatischen Raum über 85 Prozent.

Warum sich das allerdings so verhält, konnte bis heute nicht befriedigend herausgefunden werden.

 

 

Eine sogenannte sekundäre Laktoseintoleranz ist Folge einer anderen Erkrankung. Beispielsweise wird bei einer

ursprünglichen Glutenunverträglichkeit die Schleimhaut des Dünndarms, wo sich das Milchzucker abbauende Enzym

Laktase befindet, stark beschädigt. Diese Schäden sind jedoch reversibel, d.h. sie bilden sich bei Heilung der

Darmschleimhaut zurück; die Verträglichkeit von Laktose bessert sich somit wieder.

 

Des weiteren kann eine sekundäre Laktoseunverträglichkeit bei anderen Darmkrankheiten wie chronisch

entzündliche Darmerkrankungen ( z.B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) oder Magen-Darm-Infektionen auftreten.

Etwa ein bis zwei Stunden nach einer laktosehaltigen Mahlzeit können folgende Beschwerden auftreten: 

 

   Blähungen,

   Bauchschmerzen,

   Durchfall,

   möglich auch Übelkeit und Erbrechen.

 

Unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit oder allgemeines Unwohlsein können hinzukommen. 

Der Laktosegehalt bestimmter Lebensmittel:

 

  Laktosefrei: sind alle Lebensmittel, die keinerlei Milch oder Milchprodukte enthalten, z.B.

Sojaprodukte, pflanzliches Milchpulver, Margarine, Fleisch, Eier, Getreide, Kartoffel etc.

 

  Fast laktosefrei (unter ein Gramm Laktose/100 Gramm): z.B. Butter, Reis-, Kokos- und Hafermilch,

Hart-, Schnitt- und Weichkäse.

 

  Mittlerer Laktosegehalt (ein bis 4,5 Gramm Laktose/100 Gramm): z.B. Topfen, Hüttenkäse, Sauermilch

und -rahm, Buttermilch.

 

  Höherer bzw. hoher Laktosegehalt (über 4,5 Gramm Laktose/100 Gramm): z.B. Milch, Molke.

 

 

Milchzucker kann zudem in folgenden Inhaltsstoffen bzw. Produkten enthalten sein:

 

  Milchbrot, Kuchen und Torten,

  Backmischungen,

  Paniermehlen,

  Eis,

  Kartoffelpüree z.B. -pulver,

  Ketchup, Senf, Mayonnaisen,

  Fertiggerichten und Saucen,

  Süßstoff,

  Wurstwaren,

  Medikamenten.

 

Lebensmittel-Kennzeichnung

Gemäß EU-Verbraucherinformationsverordnung müssen Milch und daraus gewonnene Erzeugnisse (einschließlich

Laktose) gekennzeichnet und in der Zutatenliste z.B. durch Schriftart oder Hintergrundfarbe

hervorgehoben werden.

 

Diese erweiterte Kennzeichnungspflicht ist seit Dezember 2014 für verpackte und unverpackte Waren verpflichtend.

 

 

 

Für viele Betroffene ist es bis zur endgültigen Diagnose einer Laktoseintoleranz ein langer Weg.

 

Im Rahmen der Anamnese wird geklärt, welche Beschwerden auftreten und welche zeitlichen Zusammenhänge

mit der Aufnahme von bestimmten Lebensmitteln bestehen. Im Anschluss können verschiedene Tests durchgeführt

werden:

 

Laktosetoleranztest (auch Provokationstest genannt):

Dabei wird eine bestimmte Menge an Milchzucker in Wasser aufgelöst und getrunken. Im Anschluss erfolgt in

bestimmten Zeitintervallen eine Blutuntersuchung, bei welcher der Blutzuckerspiegel gemessen wird.

 

Spaltet das Enzym Laktase den Milchzucker in seine Bestandteile Glukose und Galaktose, steigt der Blutzucker.

Ist der Blutzuckeranstieg zu gering, liegt vermutlich eine Laktoseintoleranz vor. Zusätzlich beobachtet man die

Entwicklung von Beschwerden.

 

H2-Atemtest:

Bei einer fehlerhaften Verdauung des Milchzuckers im Dickdarm entsteht u.a. Wasserstoff.

Dieser wird über die Lunge abgeatmet und kann in der Atemluft gemessen werden. Bei diesem Test wird je nach

Fragestellung „Laktoseintoleranz“ oder „Fruktoseintoleranz“ der Wasserstoffgehalt (H2) in der Atemluft gemessen:

 

Zuerst nüchtern; dann nach Gabe einer definierten Menge von Laktose bzw. Fruktose –

mehrmals im Abstand von jeweils 30 min (zumeist insgesamt 5 Mal). 

 

Es kann an einem Tag nur einer der Tests durchgeführt werden.

 

Hilfreich ist auch ein Ernährungs- und Symptomprotokoll, da dadurch bestimmte Zusammenhänge

zwischen Beschwerden und verzehrten Nahrungsmitteln hergestellt werden können.

 

 

 

Treten bereits bei geringen Mengen an Laktose Beschwerden auf, sollte eine laktosefreie Ernährung

eingehalten werden. Die Aufnahme an Milchzucker sollte bei dieser Diät auf maximal ein Gramm pro Tag

beschränkt werden. Werden kleine Mengen an Laktose vertragen, hilft in vielen Fällen bereits eine laktosearme

Ernährung – pro Tag dürfen acht bis zehn Gramm Milchzucker aufgenommen werden.

 

Zum Vergleich: Bei einer normalen Ernährung werden ca. 20 bis 30 Gramm Milchzucker pro Tag zugeführt.

 

Auf Kalziumzufuhr achten!

Achten Sie bei laktosefreier bzw. -armer Ernährung insbesondere auf eine ausreichende Zufuhr an Kalzium.

Es ist in hohen Mengen in Gemüse wie Grünkohl, Broccoli, Fenchel, Lauch oder Spinat enthalten

sowie in diversen Mineralwässern mit einem Gehalt von mehr als 150 Milligramm Kalzium/Liter.

 

Milchprodukte, aus denen der Milchzucker entfernt wurde, sind oft mit Kalzium angereichert. Sie können auch zur

Deckung des Kalziumbedarfs beitragen. Sojamilch und -produkte sind von Natur aus laktosefrei.

Reis-, Kokos- und Hafermilch sind laktosearm.

 

Diverse Enzym-Ersatzpräparate können die Verdauung des Milchzuckers unterstützen. Sie enthalten das Enzym Laktase

und werden vor dem Essen eingenommen. Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit fehlen allerdings.

 

Eine ausgewogene Ernährung ist auch bei Laktoseintoleranz möglich. Viele Lebensmittel sind von Natur aus

laktosefrei bzw. -arm.

 

Eine bedarfsdeckende Zufuhr an Kalzium sowie Vitamin D ist unbedingt zu berücksichtigen.